Panasonic LUMIX S1H - Spiegellose Systemkamera mit professionellen Filmfunktionen

Nach dem im Frühjahr die S1R für professionelle hochaufgelöste Fotos und die S1 als Hybrid-Kamera für Fotografen und Videofilmer (siehe Testbericht Camgaroo vom August) auf den Markt kam, legt Panasonic umgehend nach, mit der spiegellosen Systemkamera LUMIX S1H, die mit ihren speziellen Funktionen auch für professionelle Filmproduktionen eingesetzt werden kann. [von Gabriele Lechner]
Laut Panasonic ist die S1H die weltweit erste Kamera, die Videoaufnahmen mit 6K/24p (Seitenverhältnis 3:2) 5,9K/30p (Seitenverhältnis 16:9) oder 10-Bit 60p 4K/C4K ermöglicht. In dieser Kamera hat Panasonic auch einige Funktionalitäten aus der Broadcast Linie des Herstellers eingebaut, so wurde z.B. von der Panasonic Eva1 das große VLog integriert. Auch der Ausschalter ist jetzt wie bei Profikameras, vorne angebracht, genauso wie der Filmemacher bzw. seine Protagonisten jetzt vorne ein rotes Licht sehen, sobald die Aufnahme gestartet ist.
Das spiegellose 35mm-Vollformat-Kamerasystem der LUMIX S-Serie nutzt das zukunftssichere L-Mount-Bajonett als Objektiv-Anschluss. Damit hat der Anwender bis 2020 Zugriff auf über 45 verfügbare oder geplante Wechselobjektive von Panasonic, Leica Camera und Sigma, darunter 11 LUMIX S/S PRO Objektive. Diverse Objektiv-Adapter (z.B. der neue SIGMA MC-31)  erlauben darüber hinaus den Einsatz weiterer Objektive. So eröffnet das L-Bajonett ein umfangreiches Spektrum an kreativen Möglichkeiten.
Der neu entwickelte 24,2 Megapixel Vollformat-Sensor mit Tiefpassfilter nutzt die Dual-Native-ISO-Technologie mit zwei Grundempfindlichkeiten für minimales Rauschen bei hohen Empfindlichkeiten. Der Dynamikbereich der S1H mit über 14 EV- Stufen entspricht dem Niveau von Kinokameras. Ihr V-Log/V-Gamut ist kompatibel mit dem populären „VariCam“-Cinema-Look. Dank Panasonics einzigartiger wärmeableitender Technologie und einem integrierten Lüfter hat die S1H anderen Kameras eine unbegrenzte Aufnahmezeit in allen Aufnahmemodi voraus.

 

Darüber hinaus sind HDR mit HLG (Hybrid Log Gamma) , 4:2:2 10 Bit HDMI Ausgang und ein anamorpher 4:3-Modus verfügbar. Dazu kommt eine Vielzahl praktischer Tools für die Filmproduktion, wie z.B. Aufnahmelicht, ein Waveform-Monitor und ein V-Log-Vorschau-Assistent.
Die LUMIX S1H ist mit einem gehäuseintegrierten Bildstabilisator (Body I.S.) zur effektiven Kompensation von Kamerabewegungen bei Aufnahmen aus freier Hand ausgestattet. Die Kombination von Body I.S. (5-Achsen) und dem O.I.S. (Optischer Bildstabilisator, 2-Achsen) der Objektive der LUMIX S Serie zum Dual I.S.-System verbessert den Schutz vor allen möglichen Verwacklungen noch weiter. So werden bis zu 6,5 Stufen 4 längere Verschlusszeiten bis in den Telebereich von 200 mm möglich. Der frei schwenkbare Touchscreen-Monitor, der Echtbildsucher und das großformatige Schulter-Display auf der Kamera zeichnen sich durch hohe Auflösung und sehr gute Erkennbarkeit aus. Das wetterfeste und robuste Gehäusedesign der S1H macht sie auch für Filmaufnahmen im Freien einsetzbar.
Die unverbindliche Preisempfehlung für das S1H Gehäuse liegt bei 3.999 Euro. Die Kamera wird ab September 2019 im Handel erhältlich sein.

 

 

Interview mit Kameramann Matthias Bolliger 

Camgaroo hat bei Kameramann Matthias Bolliger nachgefragt, der bereits das erste Vorserienmodell der S1H zum Testen zur Verfügung hatte:

Matthias, Du hast ja bereits seit ein paar Wochen die Panasonic S1H zum Testen? Welche Neuheiten hat sich Panasonic einfallen lassen, um die S1H auch im professionellen Filmbereich einsetzbar zu machen?
Ich denke, das Gesamtpaket ist für eine Kompaktkamera sehr stimmig geworden. Ein Vollformat Sensor mit hochwertigem internem 422-Recording, Dual native ISO, LUT-Management & Preview, TC In-/Out und optionalen anamorphotischem Modus …. Da ist 'ne Menge drin.

Wenn man sie mit einer Profikamera, z.B. der ARRI Alexa vergleicht, wo kann sie mithalten und was fehlt noch?
Nun mit einer Alexa oder einer Varicam mag ich die Kamera nicht vergleichen, da sprechen wir schon äußerlich von einem anderen Formfaktor. Aber eine Ergänzung am Markt ist sie allemal. Klein, kompakt und voller Features. Was ich mir noch wünschen könnte, ist z.B. die Möglichkeit, auf dem ausklappbaren Display die Kamera-Statusübersicht anzeigen zu lassen, während im Sucher das Videobild zu sehen ist. Diese Aufteilung ist bis jetzt noch nicht möglich.

Du arbeitest ja mit sog. LUTs (LookUpTables) - also vordefinierte Farbprofile, die Einfluss auf die farbliche Grundstimmung eines Films nehmen, also praktisch das Color grading teilweise schon vorweg nehmen. Kannst Du unseren Lesern kurz erläutern, wie man LUTs einrichtet und wie sie mit der Panasonic S1H zu benutzen sind?
Ich erstelle LUTs im Vorfeld einer Produktion meist in DaVinci Resolve. Diesen Look exportiere ich dann über die Funktion "Generate 3D-LUT“ in verschiedenen Kontraststufen als Panasonic vlt. Dieses file ins Stammverzeichnis einer SD-Karte kopiert, kann dann direkt in der Kamera gelesen und aufgerufen werden. Wie die grösseren Schwestern Varicam LT und Varicam35 kann die Kamera dann LUTs im Sucher und/oder dem Videoausgang darstellen.

Gibt es noch Punkte, die man Deiner Meinung nach verbessern könnte?
Es gibt immer was zu verbessern ;-). Ideal wäre es z.B. wenn die aufrufbaren SMPTE-Farbbalken auch für die technische Einstellungen des Kameradisplays und -suchers nutzbar wären. Rufe ich die  Einstellung-Optionen der Displays auf, ist der eingeschaltete Farbbalken schon wieder automatisch deaktiviert.

Wie ist Dein Gesamteindruck und für wen ist die Panasonic S1H in erster Linie gedacht?
Die S1H ist ein richtiges Vollformat Low-Light Baby geworden. Es ist eine ideale Kamera für ambitionierte Videografen und eine perfekte Ergänzung als B- oder C-Cam am professionellem Set.

Vielen Dank für das Interview!